Stellen Sie sich vor: Es ist Januar, außen minus acht Grad, und Ihre Heizung gibt den Geist auf. Kein Warmwasser, keine Heizung - und der neue Austausch dauert noch drei Tage. Das ist kein Szenario aus einem Film, sondern Realität für viele Hausbesitzer in Deutschland. Seit dem 1. Januar 2024 gilt das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betreiben muss. Doch was, wenn Ihre alte Heizung mitten im Winter versagt? Dann zählt nicht nur die Wahl der neuen Anlage, sondern vor allem: die Übergangslösung.
Warum Heizungsumbau im Winter so riskant ist
Im Sommer haben Sie Zeit. Sie können Angebote einholen, Beratungen vereinbaren, sogar einen Tag Pause machen, ohne dass Ihre Kinder frieren. Im Winter ist das anders. Jede Stunde ohne Heizung kann zu Kälteschäden, Feuchtigkeit und Schimmel führen. Laut einer Umfrage des Deutschen Mieterbundes aus 2024 leiden 78 Prozent der Hausbesitzer unter erheblichem Stress, wenn keine klare Übergangslösung existiert. Die meisten unterschätzen, wie lange es dauert, bis eine mobile Heizung geliefert und angeschlossen wird - besonders in Zeiten hoher Nachfrage. Im Winter 2023/24 stieg die Nachfrage nach temporären Heizlösungen um 42 Prozent, und viele Unternehmen hatten nicht genug Geräte vorrätig. Die Folge: Wartezeiten von bis zu drei Tagen und Preise, die plötzlich um 50 Prozent stiegen.Was ist eine offizielle Übergangslösung?
Das GEG erlaubt eine Ausnahme: Wenn die neue Heizung nicht sofort installiert werden kann, ist eine vorübergehende Heizung mit Erdgas zulässig - bis zu fünf Jahre lang. Das ist keine Ausrede, sondern eine klare Regel. Aber nicht jede Gasheizung zählt. Es muss eine zentrale Heizung sein, die das gesamte Haus beheizt, nicht nur ein einzelner Raum. Alternativ können Sie eine mobile Elektrozentralheizung mieten oder eine gemietete Gasheizung einbauen lassen. Diese Geräte werden von Fachbetrieben direkt in Ihr Heizungssystem integriert und arbeiten parallel zur alten Anlage, bis die neue installiert ist.Ein Beispiel aus Bremen: Ein Hausbesitzer ließ seine alte Ölheizung im Januar 2025 austauschen. Sein Installateur hatte eine mobile Elektroheizung im Lieferwagen - standardmäßig im Angebot. Die Kosten: 120 Euro für zwei Tage. Kein Stress, keine Kälte, kein Schimmel. Ein anderer Nutzer berichtete im Forum von heizung.de, dass er drei Tage ohne Heizung verbrachte, weil die gemietete Heizung erst nach zwei Tagen kam. Die Kosten: 450 Euro. Und die Feuchtigkeit? Schimmel an der Wand. Der Unterschied: Planung.
Welche Heizung kommt nach dem Winter?
Das GEG schreibt nicht vor, welche Technik Sie nehmen müssen - nur, dass 65 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Quellen kommen müssen. Das heißt: Sie haben Wahl. Die gängigsten Lösungen sind:- Wärmepumpen - elektrisch betrieben, ideal für gut gedämmte Häuser ab 1970. Sie liefern bis zu 100 Prozent der Wärme, wenn das Haus richtig isoliert ist.
- Wärmepumpen-Hybridheizungen - kombinieren eine Wärmepumpe mit einer Gas- oder Ölheizung. Die Wärmepumpe deckt 30-40 Prozent der Heizlast ab, der Rest kommt von Gas. Diese Lösung erfüllt bereits die GEG-Anforderungen und ist ideal für ältere Gebäude.
- Solarthermie - unterstützt die Heizung mit Sonnenwärme, besonders sinnvoll in Kombination mit anderen Systemen.
- Biomasse oder Biogas - für Häuser mit Platz für einen Holzpellet- oder Biogas-Speicher. Die Anlagen sind teurer, aber langfristig kosteneffizient.
Wichtig: In Gebäuden, die vor 1970 gebaut wurden, ist eine Wärmepumpe oft nicht ohne Sanierung möglich. Die Heizkörper müssen größer sein, oder es muss eine Fußbodenheizung nachgerüstet werden. Ein Experte vom Fraunhofer ISE sagt: „Die meisten Hausbesitzer denken, eine Wärmepumpe ist die Lösung - aber ohne die richtige Vorbereitung wird sie ineffizient.“
Die richtige Planung: Schritt für Schritt
Ein Winterumbau ist kein spontaner Akt. Er braucht Zeit - mindestens vier Wochen vor dem geplanten Austausch. Hier ist, wie es funktioniert:- Erste Beratung (Woche 1-2): Holen Sie sich mindestens drei Angebote von zertifizierten Heizungsbauern. Achten Sie darauf, dass die Beratung laut GEG verpflichtend ist - und dass sie auch auf die CO₂-Preise und die örtliche Wärmeplanung eingeht.
- Übergangslösung klären (Woche 2): Fragen Sie explizit: „Welche Lösung haben Sie im Angebot, wenn die Heizung während des Austauschs ausfällt?“ Viele Betriebe bieten jetzt standardisierte „Winterpakete“ an - mit mobiler Heizung, Installation und Support für 200-400 Euro.
- Termin festlegen (Woche 3): Wählen Sie einen Tag mit milderen Temperaturen. Idealerweise über 0 Grad. Arbeiten Sie mit dem Installateur einen Zeitplan ab, der die Arbeiten auf maximal 48 Stunden begrenzt.
- Installation (Woche 4): Die alte Heizung wird abgebaut, die neue installiert. Die mobile Heizung läuft parallel. Nach Abschluss wird die Anlage geprüft, und Sie erhalten alle Unterlagen - inklusive Bedienungsanleitung.
Ein häufiger Fehler: Hausbesitzer unterschreiben einen Vertrag, ohne die Übergangslösung schriftlich festzulegen. Dann kommt der Tag der Installation - und die mobile Heizung ist nicht da. Kein Vertrag, kein Anspruch, kein Ersatz.
Was kostet alles?
Die Kosten für einen Heizungsumbau variieren stark. Eine Wärmepumpe kostet zwischen 15.000 und 25.000 Euro, je nach Hausgröße und Sanierungsbedarf. Eine Hybridlösung liegt bei 12.000 bis 18.000 Euro. Dazu kommen die Kosten für die Übergangslösung: 150-300 Euro pro Tag. In Spitzenzeiten - wie im Winter 2023/24 - stiegen sie kurzfristig auf 450 Euro. Wer im Voraus plant, spart bis zu 30 Prozent. Denn viele Betriebe reduzieren die Preise, wenn sie die mobile Heizung schon im Angebot haben - und nicht erst auf Anfrage bestellen müssen.Und da ist noch die Förderung: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zahlt bis zu 45 Prozent der Kosten für Wärmepumpen und Hybridheizungen. Aber nur, wenn Sie die Beratung vor der Bestellung durchführen lassen. Die Förderung ist kein Bonus - sie ist Teil des Prozesses.
Was passiert, wenn die Heizung einfach kaputtgeht?
Ein Heizungsausfall ist kein Grund zur Panik - aber ein Grund zur schnellen Handlung. Zunächst: Rufen Sie Ihren Heizungsinstallateur an. Wenn er nicht sofort kommen kann, kontaktieren Sie einen Notdienst. Viele Betriebe haben Kooperationen mit Anbietern von mobilen Heizungen. Sie müssen nicht selbst eine mieten. Laut der Richtlinie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz vom Mai 2024 müssen Vermieter und Hausbesitzer sicherstellen, dass die Raumtemperatur während eines Ausfalls nicht unter 18 Grad fällt. Das ist kein Wunsch - das ist Gesetz.Und wenn Sie Mieter sind? Dann gilt: Der Vermieter ist verpflichtet, eine funktionierende Heizung bereitzustellen. Wenn er das nicht tut, können Sie Mietminderung verlangen - und die Kosten für eine temporäre Heizung geltend machen.
Die Zukunft: Digitalisierung und Hybridlösungen
Die Branche verändert sich. Seit 2024 bieten 43 Prozent der Heizungsbauer standardisierte Winterpakete an. Und es wird noch intelligenter: Moderne Wärmepumpen können jetzt per App überwacht werden. Eine Pilotstudie der TU München zeigte, dass Fernüberwachung die Reaktionszeit bei Störungen um 70 Prozent reduziert. Das bedeutet: Wenn die Heizung im Winter abkühlt, bekommen Sie eine Nachricht auf Ihr Handy - und der Techniker weiß schon, was los ist, bevor Sie anrufen.Die Prognose des Fraunhofer ISE: Bis 2026 wird mehr als die Hälfte aller Heizungsumbauten im Winter eine Hybridlösung nutzen. Warum? Weil sie die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, die Übergangsphase sicher macht und langfristig günstiger ist als eine reine Gasheizung. Die Zeiten, in denen man einfach eine neue Ölheizung einbaut, sind vorbei. Die Zukunft ist flexibel, digital und erneuerbar.