Wann sollte ein Fachbetrieb die Schimmelsanierung übernehmen? - Diese Zeichen zeigen, dass es Zeit ist

Wenn du Schimmel an der Wand siehst, ist der erste Gedanke oft: Schimmel kann ich doch selbst entfernen. Mit einem Putzmittel, etwas Essig und ein bisschen Schrubben - fertig. Doch das ist gefährlich. Und oft teurer, als es scheint. Denn Schimmel ist nicht nur ein unschöner Fleck. Er ist ein Warnsignal. Und manchmal ist es nicht mehr nur eine Frage des Putzens - sondern der Gesundheit, des Rechts und der richtigen Technik. Wann du wirklich einen Fachbetrieb beauftragen musst, ist klar definiert. Und es geht viel weiter als nur die Größe des Flecks.

Ab 0,5 Quadratmetern ist es Zeit für einen Profi

Viele denken, erst ab einem riesigen, schwarzen Teppich auf der Wand muss man einen Fachmann rufen. Falsch. Schon bei einer Fläche von 0,5 Quadratmetern - das ist so groß wie ein Din-A4-Blatt, das du viermal faltest - wird die Sanierung zu komplex für Laien. Das hat das Institut für nachhaltiges Bauen (INB) in einer Studie aus März 2022 klar festgehalten. Warum? Weil Schimmel nicht nur an der Oberfläche wächst. Er dringt in die Wand, in den Putz, in Holz oder Dämmung ein. Und hinter der Wand ist oft noch viel mehr. Wer nur die sichtbare Stelle abwischt, sorgt dafür, dass der Schimmel nach ein paar Wochen zurückkommt. Und das ist nicht nur ärgerlich - es ist ein Gesundheitsrisiko.

Die drei Kategorien: Von leicht bis lebensgefährlich

Profis teilen Schimmelbefall in drei Kategorien ein - und das hilft, die richtige Entscheidung zu treffen:

  • Kategorie Eins: Oberflächlicher Befall, kleiner Fleck, nur auf der Farbe. Hier kann manchmal noch selbst gehandelt werden - aber nur, wenn du weißt, was du tust.
  • Kategorie Zwei: Mittlerer Befall. Der Schimmel hat sich in den Putz gefressen. Die Wand ist feucht. Die Luft riecht modrig. Hier brauchst du mindestens eine professionelle Beratung. Und oft auch eine Sanierung.
  • Kategorie Drei: Tiefer Befall. Der Schimmel ist bis in die Dämmung, in die Holzkonstruktion oder sogar in die Decke vorgedrungen. Hier ist Selbsthilfe nicht nur sinnlos - sie ist gefährlich.

Die GIRA Pulse Magazin-Einteilung aus Ausgabe 4/2023 ist nicht willkürlich. Sie basiert auf jahrelanger Erfahrung und Messdaten. Wenn du Kategorie Zwei oder Drei siehst, solltest du nicht länger warten.

Wenn die Luft krank macht: Schimmelsporen über 500 KBE/m³

Du kannst Schimmel sehen. Aber du kannst die Sporen nicht sehen. Und genau die machen krank. Die DIN 18207:2020-07 sagt klar: Wenn in der Luft mehr als 500 koloniebildende Einheiten pro Kubikmeter (KBE/m³) nachgewiesen werden, ist eine professionelle Sanierung Pflicht. Das ist kein theoretischer Wert. Das ist ein medizinischer Grenzwert. Und er ist leicht messbar. Mit einem einfachen Feuchtigkeitsmessgerät wie dem Testo 606-2, das du auch als Mieter ausleihen kannst. Wenn du in deinem Schlafzimmer, Kinderzimmer oder Wohnzimmer Werte über 500 KBE/m³ hast - dann ist es nicht mehr eine Frage der Optik. Es ist eine Frage der Gesundheit.

Die Räume, in denen du niemals selbst ran darfst

Es gibt Orte, an denen du kein Risiko eingehen darfst. Und das sind:

  • Schlafzimmer: Du verbringst 7-8 Stunden pro Nacht hier. Länger als in jedem anderen Raum. Schimmel hier bedeutet ständige Belastung.
  • Kinderzimmer: Kinder atmen schneller, ihre Lungen sind empfindlicher. Schimmel hier erhöht das Risiko für Asthma und Allergien massiv.
  • Badezimmer mit porösem Putz: Wenn der Putz rau ist, saugt er Feuchtigkeit wie ein Schwamm. Da hilft kein Abwischen.
  • Wände mit Durchfeuchtung über 3 cm: Das ist kein nasser Fleck. Das ist eine nasse Wand. Und das ist ein Baufehler - nicht ein Putzfehler.

Das Umweltbundesamt warnt in seinem Bericht von Juli 2023: Schon bei 0,1 Quadratmetern Schimmel in Schlaf- oder Kinderzimmern ist eine professionelle Sanierung notwendig. Warum? Weil hier die Belastung über Monate und Jahre summiert wird. Und das hat Folgen.

Professioneller Sanierer misst die Luftqualität in einem Kinderzimmer mit Schimmelpilzbefall, HEPA-Filter läuft im Hintergrund.

Wer zahlt, wenn der Schimmel kommt?

Du bist Mieter? Dann solltest du wissen: Du hast eine Meldepflicht. Das hat der Bundesgerichtshof am 17. März 2021 (Az. VIII ZR 153/20) klargestellt. Wenn du Schimmel siehst, musst du deinen Vermieter informieren. Aber wer zahlt? Das ist entscheidend.

  • Wenn du den Schimmel verursacht hast: Durch falsches Lüften, zu wenig Heizen, eine überlaufende Waschmaschine - dann musst du selbst zahlen.
  • Wenn der Schimmel durch bauliche Mängel entsteht: Undichtes Dach, Wärmebrücken, fehlerhafte Dämmung, alte Fenster - dann ist der Vermieter verpflichtet, die Sanierung zu bezahlen.

Checknatura hat im Februar 2024 dokumentiert: Wenn du als Mieter den Schimmel selbst „reparierst“ - und es nicht fachgerecht ist - kann der Vermieter die Miete um bis zu 50% kürzen. Denn der Zustand der Wohnung ist schlechter geworden. Und das ist kein Spiel. Das ist Recht.

Was passiert bei einer professionellen Sanierung?

Ein Fachbetrieb macht nicht einfach die Wand sauber. Er macht ein System. Nach dem Leitfaden des Bundesumweltamtes (2021) läuft eine Sanierung in neun Schritten ab:

  1. Sofortmaßnahmen: Der Raum wird abgesperrt. Fenster zu. Luftfilter laufen.
  2. Schadensanalyse: Wo ist der Schimmel? Wie tief? Was ist die Ursache?
  3. Ursachenbeseitigung: Leckage? Undichte Dämmung? Falsches Lüften? Das wird behoben - sonst kommt er zurück.
  4. Entfernung der befallenen Materialien: Putz, Tapete, Dämmung - alles, was kontaminiert ist, wird entfernt.
  5. Trocknung: Mit speziellen Trocknern, manchmal mit Mikrowellen-Technik. Das dauert Tage, nicht Stunden.
  6. Feinreinigung: Mit HEPA-Filtern. Kein Staub, keine Sporen, kein Risiko.
  7. Erfolgskontrolle: Die Luft wird erneut gemessen. Nur wenn sie unter 500 KBE/m³ liegt, ist die Sanierung abgeschlossen.
  8. Wiederaufbau: Neue Putzschicht, neue Farbe - aber nur, wenn alles trocken ist.

Hummel Baudekoration dokumentiert, dass eine professionelle Sanierung im Durchschnitt 5-8 Werktagen dauert. Bei tiefgreifenden Befällen mit Trocknung: bis zu 14,7 Tage. Aber sie hält. Und das ist der Unterschied.

Warum Laien-Sanierungen scheitern - und was das kostet

Du denkst, du sparest Geld, wenn du selbst ran gehst? Schau dir diese Zahlen an:

  • 63% der Selbst-Sanierungen führen zu einem Rückkehr des Schimmels innerhalb von 6 Monaten. (Checknatura, 2024)
  • Nur 12% der professionellen Sanierungen haben einen Rückfall. (Checknatura, 2024)

Das ist kein Zufall. Das ist System. Ein Fachbetrieb arbeitet mit HEPA-Filtern der Klasse H14 - sie filtern 99,995% aller Sporen aus der Luft. Du nicht. Ein Profi trennt befallenes Material von verunreinigtem Material - und entsorgt es richtig. Du nicht. Ein Profi misst die Luft nach der Sanierung - du nicht.

Und die Kosten? Die sind transparent:

  • 0,5-2 m²: 35-50 € pro Quadratmeter
  • 2-5 m²: 70-120 € pro Quadratmeter (mit Trocknung)
  • Über 2 m²: 1.200-2.500 € Gesamtkosten
  • Mit Wandtrocknung: bis zu 4.800 €

Und wenn du eine Wohngebäudeversicherung hast? Dann übernimmt sie bis zu 90% der Kosten - aber nur, wenn ein zertifizierter Fachbetrieb die Arbeit macht. Sonst zahlst du selbst. Und du hast danach immer noch Schimmel.

Vergleich: Amateurbeseitigung links, professionelle Sanierung rechts mit Messgeräten und Trocknungstechnik.

Wie du den richtigen Fachbetrieb findest

Nicht jeder, der „Schimmel entfernt“ sagt, ist auch ein Profi. Achte auf diese drei Dinge:

  • TÜV-Zertifizierung: Aktuell sind nur 287 Firmen in Deutschland offiziell TÜV-zertifiziert. Das ist ein Qualitätssiegel, das regelmäßig überprüft wird.
  • Zusatzqualifikation: Die offizielle Ausbildung „Erkennen, Bewerten und Sanierungen von Schimmelschäden“ - verliehen von der Handwerkskammer. Frag danach.
  • Digitaler Prozess: 78% der seriösen Betriebe nutzen digitale Projektsteuerung. Du bekommst Fotos, Termine, Messwerte - online. Das zeigt Transparenz.

Und: Wartezeiten. In ländlichen Regionen wie der Steiermark (wo Graz liegt) dauert es durchschnittlich 5,2 Tage, bis ein Betrieb kommt. In Frankfurt oder München nur 2,8 Tage. Wenn du krank bist - oder Kinder hast - zögere nicht. Rufe früh an.

Was kommt als Nächstes? Der Trend ist klar

Der Markt wächst. Jedes Jahr um 8,7%. Im Jahr 2023 wurden 1,28 Milliarden Euro für Schimmelsanierungen ausgegeben. Und es wird noch mehr. Die Bundesvereinigung Schimmelsanierung prognostiziert: Bis 2026 werden 92% aller Sanierungen von zertifizierten Profis durchgeführt. Heute sind es 76%. Warum? Weil die Menschen lernen: Schimmel ist kein Problem, das man mit Essig löst. Er ist ein medizinischer Notfall. Und er braucht Fachwissen.

Das Fraunhofer IBP arbeitet an neuen Trocknungstechnologien, die die Dauer um 60% verkürzen. Die Deutsche Allergologische Gesellschaft fordert: Schon ab 0,3 m² Schimmel muss ein Profi ran. Das wird bald Gesetz sein. Die Zeit der Selbstversuche ist vorbei.

Kann ich Schimmel selbst entfernen, wenn es nur ein kleiner Fleck ist?

Nur wenn es wirklich ein kleiner, oberflächlicher Fleck ist - und du sicher bist, dass keine Feuchtigkeitsquelle mehr vorhanden ist. Aber selbst dann: Du musst den Bereich abdichten, Staubmaske und Handschuhe tragen und nach der Reinigung die Luft messen. Viele unterschätzen das Risiko. Und oft kehrt der Schimmel zurück, weil die Ursache nicht beseitigt wurde. Deshalb ist selbst bei kleinen Flecken eine professionelle Einschätzung ratsam.

Was passiert, wenn ich Schimmel ignoriere?

Schimmel wächst nicht nur - er verbreitet sich. Sporen lan­gen sich in der Luft, dringen in Möbel, Kleidung und Betten ein. Langfristig führt das zu Atemwegserkrankungen, Allergien und Immunschwäche. Studien zeigen: Bei Befall über 1 m² steigt das Risiko für Atemwegserkrankungen um 78%. Außerdem kann sich der Schimmel in der Bausubstanz festsetzen und die Struktur des Gebäudes schwächen. Je länger du wartest, desto teurer wird die Sanierung - und desto größer ist das Gesundheitsrisiko.

Wie lange dauert eine professionelle Schimmelsanierung?

Das hängt vom Ausmaß ab. Bei oberflächlichem Befall ohne Feuchtigkeit: 7-8 Stunden. Bei tieferem Befall mit Trocknung: 5-14 Tage. Die meisten Sanierungen dauern zwischen 5 und 8 Werktagen. Wichtig: Die Trocknung der Bausubstanz kann nicht beschleunigt werden - das dauert, was es dauert. Wer dir verspricht, es in einem Tag zu schaffen, macht es falsch.

Muss ich als Mieter den Schimmel selbst bezahlen?

Nein - nur wenn du den Schimmel selbst verursacht hast: durch falsches Lüften, zu niedrige Raumtemperatur, überflutete Wohnung oder fehlende Wartung. Wenn der Schimmel durch bauliche Mängel entstanden ist - wie undichte Fenster, fehlerhafte Dämmung oder ein undichtes Dach - dann ist der Vermieter verpflichtet, die Kosten zu tragen. Das ist im BGB §536c geregelt. Du musst ihn nur schriftlich informieren. Und er muss innerhalb von 48 Stunden handeln, wenn es sich um einen schwerwiegenden Befall handelt.

Kann ich eine Versicherung einschalten?

Ja - aber nur, wenn du einen zertifizierten Fachbetrieb beauftragst. Die meisten Wohngebäudeversicherungen übernehmen bis zu 90% der Kosten, wenn der Schimmel nicht durch Fahrlässigkeit entstanden ist. Wenn du selbst versuchst, ihn zu entfernen, und es schiefgeht, lehnt die Versicherung meist ab. Und dann bist du nicht nur mit Schimmel, sondern auch mit hohen Kosten allein. Deshalb: Nie ohne Zertifizierung arbeiten.

Wie erkenne ich, ob der Schimmel wieder kommt?

Nach der Sanierung solltest du die Luftfeuchtigkeit im Raum über Wochen beobachten. Ein einfaches Feuchtigkeitsmessgerät zeigt dir, ob die Werte über 60% steigen - das ist ein Warnsignal. Auch wenn die Wand trocken wirkt, aber modrig riecht, ist Vorsicht geboten. Ein Fachbetrieb macht nach der Sanierung eine Erfolgskontrolle. Wenn du selbst arbeitest, fehlt diese Sicherheit. Deshalb ist eine Nachkontrolle durch einen unabhängigen Gutachter die einzige echte Garantie.

Was du jetzt tun solltest

Wenn du Schimmel siehst:

  1. Notiere die Größe des Flecks - in Quadratmetern.
  2. Prüfe, ob es sich um ein Schlaf- oder Kinderzimmer handelt.
  3. Prüfe, ob die Wand feucht ist - mit der Hand oder einem Messgerät.
  4. Informiere deinen Vermieter, wenn du Mieter bist - schriftlich.
  5. Suche einen TÜV-zertifizierten Fachbetrieb - nicht den billigsten.
  6. Frage nach der Erfolgskontrolle - und verlange sie.

Schimmel ist kein Problem, das du ignorieren kannst. Er ist ein Signal. Und das Signal sagt: Hier stimmt etwas nicht. Und das ist keine Kleinigkeit. Es ist deine Gesundheit. Und die sollte immer Priorität haben.

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Felicitas Call

Felicitas Call

Ich bin Tischlerin in Graz und spezialisiere mich auf maßgefertigte Innenausbauten. Ich plane und fertige Möbel sowie Einbauten für Altbau- und Neubauprojekte. In meiner Freizeit schreibe ich Fachbeiträge zu Immobilientrends, Sanierung und nachhaltigen Materialien. Ich verbinde Handwerk, Design und Praxiswissen für Wohn- und Gewerbeobjekte.

Kommentare (1)

wave
  • Jan Jageblad

    Jan Jageblad

    Feb 20, 2026 AT 11:11

    Ich hab letztes Jahr auch Schimmel in der Küche gehabt und dachte, ich mach das selbst. Ein bisschen Essig, abgeschrubbt, fertig. Zwei Monate später war er wieder da – und größer. Dann hab ich einen Profi gerufen. War die beste Entscheidung meines Lebens. Kein Stress, keine Nacharbeit, und seitdem ist Ruhe. Wer das selbst macht, spart sich nicht viel – sondern nur Zeit, die er später mit Neu-Schimmel verbringt.

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