Wenn du dein Haus oder deine Wohnung sanieren willst, aber nicht weißt, wo du anfangen sollst, dann ist eine Energieberatung der erste und wichtigste Schritt. Sie zeigt dir genau, was in deinem Gebäude sinnvoll ist - und was nicht. Viele Eigentümer denken, dass sie das selbst herausfinden können. Doch die Realität sieht anders aus: Eine gute Beratung spart dir nicht nur Geld, sondern macht dich auch berechtigt für staatliche Zuschüsse, die bis zu 33.000 Euro betragen können. Und das alles, bevor du einen einzigen Hammer schwingst.
Wie viel kostet eine Energieberatung wirklich?
Die Preise für eine Energieberatung variieren stark. Es gibt keine einheitliche Rechnung. Alles hängt davon ab, wie tief du gehen willst. Eine einfache telefonische Beratung kostet manchmal nur 30 Euro - besonders wenn du dich an die Verbraucherzentrale wendest. Einkommensschwache Haushalte bekommen sie sogar kostenlos. Aber das ist nur der Anfang.
Wenn du eine Vor-Ort-Beratung mit einem zertifizierten Energieberater buchst, liegen die Kosten zwischen 600 und 1.000 Euro. Das ist die Standardversion: Der Berater kommt vorbei, schaut sich Heizung, Dämmung, Fenster und Lüftung an, misst Luftdichtigkeit und erstellt eine erste Einschätzung. Aber das reicht nicht, wenn du Fördergelder willst.
Für die volle Förderung brauchst du den individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP). Das ist kein einfacher Zettel, sondern ein detaillierter Fahrplan für die nächsten 5-10 Jahre. Er sagt dir, wann du die Dämmung erneuern sollst, wann du die Heizung wechseln musst und welche Maßnahmen sich am besten kombinieren lassen. Die Kosten für einen iSFP bei einem Einfamilienhaus liegen zwischen 1.200 und 1.800 Euro. Bei Mehrfamilienhäusern mit vier oder mehr Wohnungen kannst du mit 2.500 bis 5.000 Euro rechnen.
Einige Berater verlangen 100 Euro pro Stunde. Eine umfassende Beratung dauert 8-12 Stunden - das macht schnell 1.000 bis 1.200 Euro aus. Hinzu kommen zusätzliche Tests: Ein Blower-Door-Test zur Luftdichtigkeitsmessung kostet rund 500 Euro, eine Thermografie mit Wärmebildkamera auch 400-600 Euro. Wer das alles kombiniert, landet bei 2.500-3.000 Euro Gesamtkosten.
Du zahlst nicht alles selbst - die Förderung deckt die Hälfte
Die gute Nachricht: Du musst diese Kosten nicht alleine tragen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) übernimmt 50 Prozent der Beratungskosten - mit einer Obergrenze. Seit August 2024 gilt: Bei Einfamilienhäusern sind maximal 650 Euro förderfähig. Bei Mehrfamilienhäusern mit drei oder mehr Wohnungen sind es 850 Euro.
Das bedeutet: Wenn du einen iSFP für 1.500 Euro bekommst, bekommst du 650 Euro zurück. Du zahlst also nur noch 850 Euro. Ohne Förderung wäre das ein Verlust von 1.500 Euro. Mit Förderung ist es eine Investition, die sich schnell amortisiert.
Doch Vorsicht: Nicht jede Beratung wird gefördert. Der Berater muss in der Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes eingetragen sein. Das sind aktuell über 15.000 zertifizierte Fachleute. Wenn du einen unbeaufsichtigten Anbieter wählst, bekommst du keinen Cent zurück. Auch Online-Beratungen ohne Hausbesuch werden nicht gefördert - es muss ein echter Vor-Ort-Termin sein.
Die Förderung gilt nur für den iSFP selbst. Dinge wie mehrere Folgeberatungen, Begleitungen über Monate oder die Umsetzung der Maßnahmen werden nicht bezahlt. Du bekommst den Plan - aber nicht die Hand, die ihn ausführt.
Warum der iSFP so wichtig ist - und was er dir bringt
Der individuelle Sanierungsfahrplan ist nicht nur ein Papier. Er ist der Schlüssel zu weiteren Fördergeldern. Seit 2020 ist er für viele Sanierungsmaßnahmen verpflichtend. Ohne iSFP bekommst du keinen Zuschuss vom BAFA, keine KfW-Förderung, keinen steuerlichen Vorteil.
Der Plan zeigt dir, welche Maßnahmen du als Nächstes angehen solltest. Er sagt dir nicht nur: „Dach dämmen.“ Sondern: „Dachdämmung im Jahr 2026, dann Heizungstausch 2028, dann Fensterwechsel 2030.“ Er berechnet dir die Amortisationszeit - also wie lange du brauchst, um die Kosten durch gesparte Heizkosten wieder hereinzuholen. Die durchschnittliche Amortisationszeit liegt bei 8-12 Jahren. Aber: Mit dem iSFP kannst du oft schneller sparen, weil du die Maßnahmen optimal kombinierst.
Ein Beispiel: Du hast ein altes Haus mit Holzfenstern, schlechter Dämmung und einer Ölheizung. Ohne Plan würdest du vielleicht zuerst die Fenster wechseln - teuer, aber wenig Effekt. Der iSFP sagt dir: „Zuerst Dach und Außenwand dämmen, dann die Heizung auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe umstellen, dann erst die Fenster tauschen.“ So vermeidest du doppelte Arbeiten und maximierst den Effekt.
Und hier kommt der große Vorteil: Mit einem iSFP kannst du bis zu 5 Prozent mehr Förderung für Sanierungsmaßnahmen bekommen. Das klingt nach wenig - aber bei einer Sanierung von 50.000 Euro sind das 2.500 Euro extra. Und wenn du mehrere Maßnahmen kombinierst, kann die Gesamtsumme leicht 20.000-33.000 Euro erreichen.
Was du sonst noch brauchst - und was du nicht brauchst
Ein Energieausweis ist nicht dasselbe wie eine Energieberatung. Es gibt zwei Arten: den Verbrauchsausweis und den Bedarfsausweis. Der Verbrauchsausweis basiert auf deinen vergangenen Heizkosten. Er kostet 50-100 Euro und ist für die Vermietung Pflicht. Der Bedarfsausweis berechnet, wie viel Energie dein Haus theoretisch braucht - das ist viel genauer. Er kostet 300-500 Euro und wird oft im Rahmen einer Beratung erstellt. Beide sind förderfähig - aber sie ersetzen keinen iSFP.
Thermografie und Blower-Door-Test sind keine Pflicht, aber sie lohnen sich. Die Thermografie zeigt dir, wo Wärme verloren geht - an den Ecken, hinter den Heizkörpern, an der Decke. Der Blower-Door-Test misst, wie dicht dein Haus ist. Ein undichtes Haus verliert bis zu 30 Prozent mehr Wärme. Diese Tests sind teuer, aber sie verhindern, dass du Geld in die falschen Maßnahmen steckst.
Du brauchst keine umfangreiche Beratung, wenn du nur eine neue Heizung einbauen willst. Dann reicht ein einfacher Energieausweis. Aber wenn du dein Haus langfristig sanieren willst - und das solltest du - dann ist der iSFP die beste Investition, die du tätigst.
Wie du den richtigen Berater findest
Nicht jeder Energieberater ist gleich. Einige arbeiten mit großen Baufirmen zusammen und empfehlen nur Produkte, mit denen sie kooperieren. Andere sind unabhängig und zeigen dir alle Optionen - von der Wärmepumpe bis zur Holzpelletsheizung.
Gehe immer zur Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes. Dort findest du alle zertifizierten Berater mit ihren Schwerpunkten. Du kannst nach Postleitzahl suchen und sehen, ob sie Erfahrung mit deinem Gebäudetyp haben - ob mit Altbau, Denkmalschutz oder Reihenhaus.
Frage nach Referenzen. Ein guter Berater zeigt dir Beispiele von ähnlichen Häusern. Er erklärt dir, wie viel Geld die Kunden gespart haben. Er sagt dir nicht: „Das ist die beste Lösung.“ Sondern: „Hier sind drei Optionen - mit Vor- und Nachteilen.“
Wartezeiten sind aktuell lang. Die Auslastung der Berater liegt bei 85-90 Prozent. Du musst mit 4-6 Wochen Wartezeit rechnen. Plane frühzeitig - besonders, wenn du im nächsten Jahr sanieren willst.
Was du jetzt tun solltest
Wenn du denkst, deine Energiekosten sind zu hoch, oder du planst eine Sanierung, dann handele jetzt. Die Förderung läuft noch - aber die Regierung plant ab 2025 eine Überarbeitung. Es könnte sein, dass die Konditionen sich verschärfen.
- Prüfe, ob du in der Verbraucherzentrale eine günstige oder kostenlose Beratung bekommst.
- Suche dir einen zertifizierten Energieberater in der offiziellen Liste.
- Buche einen iSFP - nicht nur eine einfache Beratung.
- Frage nach Thermografie und Blower-Door-Test - sie sind es wert.
- Rechne mit einer Wartezeit von 4-6 Wochen.
- Halte dich an den Fahrplan - nicht an dein Bauchgefühl.
Du wirst sehen: Die Beratungskosten von 650-1.300 Euro sind kein Aufwand. Sie sind die Investition in deine Zukunft. Denn wer heute sanieren lässt, spart morgen Heizkosten, erhöht den Wert seines Hauses - und macht sich unabhängig von steigenden Energiepreisen.
Wie viel kostet eine Energieberatung für ein Einfamilienhaus?
Die Kosten liegen zwischen 1.200 und 1.800 Euro für einen vollständigen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP). Ohne Förderung zahlst du also 1.300-1.800 Euro. Mit der BAFA-Förderung von 50 % (max. 650 Euro) zahlst du nur noch 650-1.150 Euro. Einfache Vor-Ort-Beratungen ohne iSFP kosten 600-1.000 Euro, aber diese sind nicht förderfähig für Sanierungsmaßnahmen.
Wird die Energieberatung vom Staat gefördert?
Ja, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) übernimmt 50 % der Kosten für eine Beratung durch einen zertifizierten Energieberater. Für Einfamilienhäuser gibt es maximal 650 Euro, für Mehrfamilienhäuser bis zu 850 Euro. Die Förderung gilt nur für den individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) und nur, wenn der Berater in der offiziellen Bundesliste eingetragen ist.
Was ist der Unterschied zwischen Energieausweis und Energieberatung?
Der Energieausweis zeigt nur den aktuellen Energieverbrauch oder -bedarf des Gebäudes. Er ist Pflicht beim Verkauf oder der Vermietung. Die Energieberatung geht viel weiter: Sie analysiert Schwachstellen, berechnet Sanierungsschritte und erstellt einen langfristigen Fahrplan. Nur mit der Beratung und dem iSFP erhältst du Fördergelder für Sanierungsmaßnahmen.
Kann ich die Energieberatung selbst machen?
Nein. Nur zertifizierte Energieberater, die in der offiziellen Bundesliste eingetragen sind, dürfen den individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) ausstellen. Selbst erstellte Pläne werden nicht anerkannt. Auch wenn du viele Informationen online findest - für Fördergelder brauchst du den offiziellen, prüfbaren Plan.
Wie lange dauert es, bis ich einen Termin für die Beratung bekomme?
Aktuell (2026) dauert es durchschnittlich 4-6 Wochen, bis ein zertifizierter Energieberater einen Termin geben kann. Die Auslastung liegt bei über 85 %. Wenn du im nächsten Jahr sanieren willst, solltest du jetzt schon einen Termin buchen - sonst wirst du zu spät dran sein.
Was bringt mir die Energieberatung, wenn ich nicht sanieren will?
Auch wenn du nicht sofort sanieren willst, lohnt sich die Beratung. Du erhältst einen klaren Überblick über den Zustand deines Hauses. Du erfährst, wann die Heizung oder die Fenster wirklich ausgetauscht werden müssen. Du vermeidest teure Fehlentscheidungen. Und du bist bereit, wenn die nächste Förderrunde kommt - oder wenn du dein Haus verkaufen willst. Ein guter Energiezustand erhöht den Marktwert.