Wenn dein Holzboden alt aussieht, voller Kratzer und Flecken ist, dann bringt ein Schleifen neue Lebensdauer. Aber solltest du die Maschine mieten oder lieber kaufen? Die Antwort hängt nicht nur vom Preis ab, sondern von Größe, Häufigkeit und deinem Erfahrungsniveau. In Deutschland werden jedes Jahr mehr als 87 Millionen Euro für Bodenschleifmaschinen ausgegeben - und viele Menschen entscheiden falsch. Hier ist, was wirklich zählt.
Was passiert beim Boden schleifen?
Boden schleifen bedeutet nicht einfach abreiben. Es ist ein präziser Prozess, bei dem die oberste Schicht des Holzes abgetragen wird - bis zu 2 Millimeter bei stark abgenutzten Dielen. Dabei verschwinden alte Lacke, Flecken, Kratzer und Unebenheiten. Danach wird der Boden neu geölt oder lackiert. Die Technik gibt es seit den 1800ern, aber erst mit elektrischen Maschinen ab den 1950ern wurde sie wirklich zuverlässig. Heute ist sie die einzige Möglichkeit, einen alten Parkettboden wirklich zu retten - nicht nur zu überdecken.
Ein falscher Schritt kann aber das Holz ruinieren. Zu viel Druck, falsche Körnung oder eine schlecht geführte Maschine hinterlassen Spuren, die man nie mehr weg bekommt. Experten wie Dipl.-Ing. Thomas Müller von Parkett-Remel warnen: „Ein falscher Winkel oder ein zu grobes Schleifpapier kann tiefe Rillen erzeugen, die nur durch Neuaufbau behoben werden können.“
Welche Maschinen gibt es?
Nicht jede Maschine ist für jedes Projekt geeignet. Es gibt drei Haupttypen:
- Bandschleifmaschinen: Die Profi-Waffe. Sie wiegen 80 bis 94 Kilogramm, haben einen Motor von 2,5 bis 3 Kilowatt und schleifen Flächen von 1.500 cm² pro Durchgang. Ideal für Räume über 30 m². Die Lägler Hummel ist hier der Standard - seit 2018 in der aktuellen Version, mit 99,5 % Staubabsaugung.
- Einscheibenschleifmaschinen: Leichter, nur 30 bis 45 Kilogramm. Drehzahl niedriger, Leistung meist unter 1 kW. Nur für Feinschliff, Lackzwischenschliff oder Ecken. Nicht für Grobschliff geeignet.
- Kompakt- oder Heimwerkermodelle: Mit 600 bis 1.200 Watt Leistung. Für kleine Flächen unter 20 m². Aber: Sie haben oft nur 1.000 cm² Schleiffläche - das ist 33 % weniger als Profimaschinen.
Die Schleifbreite ist bei fast allen Bandschleifern konstant bei 20 Zentimetern. Das ist kein Zufall - es ist der optimale Wert, um gleichmäßige Streifen zu vermeiden. Wer eine Maschine mit 15 cm Breite mietet, arbeitet langsamer und mit mehr Aufwand.
Mieten: Was kostet es?
Mieten ist die gängigste Option - vor allem bei Bauhaus, Obi und Hornbach. Sie kontrollieren 68 Prozent des deutschen Mietmarktes. Die Preise variieren stark:
- Einsteigermodell: 55-80 Euro pro Tag
- Standardmaschine: 100-150 Euro pro Tag
- Profimaschine (z. B. Lägler Hummel): 200-250 Euro pro Tag
Doch der Preis ist trügerisch. Die meisten Mietmaschinen haben eine kleinere Schleiffläche als Profimodelle. Das heißt: Du brauchst mehr Durchgänge, mehr Zeit, mehr Energie. Laut Nutzerberichten auf idealo.de (Februar 2024) brauchen 68 Prozent der Mieter mehr als doppelt so lange wie mit einer Profimaschine. Ein Kommentar von „HansM82“ fasst es zusammen: „Die Maschine hat 120 Euro gekostet, aber ich musste dreimal staubsaugen, bevor ich weiterarbeiten konnte.“
Staub ist das größte Problem. Seit Januar 2023 gilt die EU-Norm EN 60745-2-20:2021. Sie schreibt strenge Grenzwerte vor. Die meisten Mietmaschinen aus Baumärkten erfüllen sie nicht - sie schleudern Staub in alle Richtungen. Profimaschinen wie die Lägler Hummel Eco oder Festool RAS 115 hingegen saugen 99,5 % des Staubs ab. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Gesundheit.
Kaufen: Was kostet es wirklich?
Der Kaufpreis klingt abschreckend - aber er ist eine Investition:
- Bosch PEX 400 AE: 200 Euro - für Gelegenheitsnutzer, 1 Jahr Garantie
- Festool RAS 115: 600 Euro - semi-professionell, 3 Jahre Garantie, nur 28 kg Gewicht
- Lägler Hummel: 2.500 Euro - professionell, 2 Jahre Garantie, 94 kg Gewicht
Die Festool RAS 115 ist eine der beliebtesten Mittelklasse-Maschinen. Sie ist leicht genug, um sie alleine zu tragen - ein Trend, den 73 Prozent der jüngeren Handwerker laut ZDH-Umfrage (Januar 2024) fordern. Sie ist auch mit integrierter Sensorik erhältlich: Die Surfix S passt die Schleifintensität automatisch an den Boden an. Verfügbar seit April 2024.
Wann lohnt sich der Kauf? Die Kosten-Nutzen-Analyse von vergleich.org (Januar 2024) zeigt: Bei einer Gesamtfläche von über 150 m² - also drei bis vier Räume - ist der Kauf ab dem zweiten Mal rentabel. Wenn du in drei Jahren drei Mal schleifen willst, hast du die Maschine längst amortisiert.
Wann mieten, wann kaufen?
Es gibt klare Regeln:
- Mieten, wenn: Du nur einmal schleifst (z. B. eine Wohnung nach Umzug), die Fläche unter 20 m² ist, oder du keine Lagermöglichkeit hast.
- Kaufen, wenn: Du mehr als 30 m² hast, du in einem Haus mit mehreren Etagen lebst, du öfter schleifen willst (z. B. bei Renovierungszyklen), oder du Wert auf sauberes Ergebnis und geringen Staub legst.
Ein praktisches Beispiel: Du hast ein 50 m² großes Wohnzimmer mit alten Dielen. Mit einer Mietmaschine brauchst du 12 Stunden Arbeit, 3 Tage, und 150 Euro Mietkosten. Mit einer eigenen Festool RAS 115 (600 Euro) dauert es 8 Stunden, du hast kein Staubproblem, und du kannst das gleiche Modell in zwei Jahren fürs Bad oder Treppenhaus nutzen. Die Maschine hat sich dann schon nach einem Projekt amortisiert.
Was du vorher tun musst
Ein guter Schleifer beginnt mit Vorbereitung - nicht mit Maschine.
- Entferne alle Sockelleisten - kostet 2-6 Euro pro Quadratmeter, wenn du es professionell machen lässt.
- Fülle Nagellöcher mit Holzspachtel, klopfe herausstehende Nägel ein.
- Reinige die Fugen: Alte Klebereste oder Teppichreste müssen raus.
- Prüfe den Boden: Ist er noch 2 mm dick? Wenn nicht, ist Schleifen riskant. Profis verwenden Messgeräte mit ±0,1 mm Toleranz - wie in der Studie von Dr. Angela Schmidt (Hochschule Rosenheim, 2022) beschrieben.
Die Schleifpapierkörnung ist entscheidend:
- 36er Körnung: Grobschliff - nur bei stark abgenutzten Böden
- 60-80er Körnung: Mittelschliff - entfernt Reste des alten Lacks
- 100-120er Körnung: Feinschliff - für die letzte Oberfläche vor Ölen oder Lackieren
Der Deutsche Schreinerbund empfiehlt, nie zwei Körnungen überspringen. Und: Wechsle das Papier nach 10-15 m² - sonst wird es stumpf und verursacht Welligkeiten.
Was kostet die Profi-Hilfe?
Manchmal ist der beste Weg, jemand anderen zu beauftragen. Die Preise variieren stark:
- Standardzustand (leichte Abnutzung): 22 Euro pro m²
- Stark abgenutzte Altbau-Dielen: 52 Euro pro m²
- Zusätzlich: Entfernen von Sockelleisten: 5-8 Euro pro m²
Das bedeutet: Für ein 40 m²-Zimmer mit starken Schäden zahlst du bis zu 2.080 Euro. Dafür bekommst du ein perfektes Ergebnis, keine Anstrengung, und keine Staubwolke. Wenn du Zeit hast, aber keine Erfahrung, ist das oft die klügere Wahl.
Was du nicht tun solltest
- Nicht mit einer Bohrmaschine oder einem Handraspelschleifer arbeiten - das ist kein Ersatz.
- Nicht ohne Schutzbrille, Atemschutzmaske und Ohrenschützer schleifen - Staub und Lärm sind gefährlich.
- Nicht ohne vorherige Schulung: Die Handwerkskammer München empfiehlt mindestens 4 Stunden Training. Viele Baumärkte bieten kostenlose Kurzschulungen an.
- Nicht mit Mietmaschinen ohne Staubabsaugung arbeiten - du verschwendest Zeit und Gesundheit.
Fazit: Was ist für dich richtig?
Wenn du nur einmal in zehn Jahren schleifen willst - miete. Wenn du in einem Haus mit Holzböden lebst und planst, in 5 Jahren wieder zu renovieren - kauf. Die Festool RAS 115 ist die beste Mitte: Preis, Gewicht, Leistung und Staubabsaugung. Die Lägler Hummel ist nur für Profis oder sehr große Projekte.
Der Markt entwickelt sich: Kompakte, intelligente Maschinen werden standard. Die Zukunft gehört nicht den billigsten, sondern den saubersten. Und die saubersten Maschinen sind nicht die billigsten - aber sie sind die, die dir am Ende Zeit, Arbeit und Nerven sparen.
Kann ich eine Bodenschleifmaschine auch in einem Wohnmobil mieten?
Nein. Mietmaschinen werden nur in stationären Baumärkten wie Bauhaus, Obi oder Hornbach angeboten. Es gibt keine mobile Mietstation für Wohnmobile. Wer im Wohnmobil schleifen will, muss entweder eine kleine Maschine kaufen (z. B. Bosch PEX 400 AE) oder eine professionelle Dienstleistung buchen.
Wie lange hält ein geschliffener Holzboden?
Ein richtig geschliffener und neu versiegelter Holzboden hält 10 bis 15 Jahre, wenn er regelmäßig gepflegt wird. Bei intensiver Nutzung (z. B. mit Haustieren oder viel Verkehr) kann es auch nur 7 Jahre sein. Die Lebensdauer hängt nicht nur vom Schleifen ab, sondern vor allem von der Nachbehandlung - Öl ist haltbarer als Lack.
Muss ich den Boden vor dem Schleifen abnehmen?
Nein, du musst den Boden nicht abnehmen. Du musst aber alle Gegenstände aus dem Raum entfernen, Teppiche, Möbel und Sockelleisten. Die Sockelleisten werden abgenommen, damit die Maschine an die Wand herankommt. Danach werden sie wieder eingesetzt.
Ist Boden schleifen gefährlich für Kinder oder Haustiere?
Ja, wenn du nicht vorsichtig bist. Der Staub enthält Holzpartikel, alte Lacke und manchmal Blei - besonders bei Altbauten. Haustiere und Kinder dürfen während des Schleifens nicht im Haus sein. Du brauchst eine Atemschutzmaske und solltest die Räume abriegeln. Nach dem Schleifen muss der Boden mindestens 24 Stunden trocknen, bevor du wieder betreten kannst.
Kann ich mit einer Mietmaschine auch Beton schleifen?
Nein. Bodenschleifmaschinen sind nur für Holz konzipiert. Beton erfordert spezielle Maschinen mit Diamantscheiben und mindestens 2.000 Watt Leistung. Die Mietmaschinen in Baumärkten haben dafür weder die Leistung noch die richtigen Scheiben. Für Beton musst du eine spezielle Betonschleifmaschine mieten oder einen Fachmann beauftragen.
Lele Meier
Feb 16, 2026 AT 09:26Ich hab letztes Jahr meinen Boden selbst geschliffen – mit einer Mietmaschine von Obi. War stressig, aber es hat funktioniert. Am Ende war der Staub überall, selbst im Kühlschrank. Aber hey, spart Geld!