Schnittstellenplanung bei Heizung, Elektro und Sanitär im Bestand: So vermeiden Sie teure Baufehler

Stellen Sie sich vor: Sie sanieren Ihr Altbauwohnhaus, haben endlich die neue Wärmepumpe, die Fußbodenheizung und die modernen Elektroleitungen geplant - und dann, mitten im Estrichlegen, stößt ein Elektro-Kabelkanal direkt in die Heizrohre. Der Estrich muss aufgebrochen werden. Die Heizung muss neu verlegt werden. Die Kosten schießen in die Höhe. Die Baustelle bleibt drei Wochen still. Und alles nur, weil niemand vorher gefragt hat: Schnittstellenplanung bei Heizung, Elektro und Sanitär im Bestand.

Warum Schnittstellenplanung im Bestand anders ist als im Neubau

Beim Neubau haben Sie einen leeren Grundriss. Sie zeichnen alles neu, legen die Rohre, Kabel und Leitungen von Anfang an gemeinsam fest. Im Bestand ist das anders. Hier trifft moderne Technik auf alte Mauern, veraltete Pläne und unbekannte Bauteile. Die Deckenhöhe ist ungleich. Die tragenden Wände sind nicht dokumentiert. Die Elektroleitungen aus den 70ern liegen dort, wo heute die Fußbodenheizung hin soll. Und niemand hat je aufgeschrieben, wo genau sie verlaufen.

Laut dem ZVSHK sind 70 Prozent aller Probleme bei Flächenheizungen in Altbauten auf fehlende Schnittstellenkoordination zurückzuführen. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist der Hauptgrund, warum Sanierungen teuer und stressig werden. Im Neubau gibt es klare Regeln. Im Bestand gibt es nur noch Vermutungen - bis jemand die Gewerke zusammenbringt.

Was genau ist eine Schnittstelle?

Eine Schnittstelle ist der Punkt, an dem zwei Gewerke aufeinandertreffen. Das kann sein:

  • Wo das Heizungsrohr unter dem Estrich verläuft und ein Elektrokabel quer durch den gleichen Bereich geführt wird
  • Wo die Sanitärleitung durch die Bodenplatte geht und die Fußbodenheizung darunter verlegt werden soll
  • Wo die Wandheizung an der Außenwand montiert wird und die Elektroinstallation für die Rollladensteuerung genau dort eingebaut werden muss
Jede dieser Stellen muss vor dem Bohren, Schneiden oder Gießen abgestimmt werden. Es geht nicht um „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Es geht um „wer passt wo rein, ohne dass etwas kaputtgeht“.

Die fünf entscheidenden Gewerke, die zusammenarbeiten müssen

Sie können nicht nur den Heizungsinstallateur und den Elektriker zu einem Gespräch einladen. Es braucht mehr. Die Schnittstellenplanung im Bestand ist ein Teamwork. Die fünf wichtigsten Beteiligten sind:

  • Architekt oder Sanierungsplaner: Der hat den Überblick über den gesamten Bauzustand und die geplanten Veränderungen.
  • Heizungs- und Sanitärinstallateur: Kennt die Rohrverlegungen, die Vorlauftemperaturen, die Durchmesser und die Anforderungen der Flächenheizung nach DIN 18560-2.
  • Elektrofachkraft: Weiß, wo Kabelkanäle, Steckdosen, Lichtschalter und Automatisierungsleitungen verlaufen - und wo sie nicht verlaufen dürfen.
  • Estrichleger: Muss wissen, wie dick der Estrich werden soll, wo Fugen gesetzt werden müssen und wo Rohre liegen, damit er nicht einfach draufgießt.
  • Bodenleger: Sorgt dafür, dass der Bodenbelag (Parkett, Fliesen, Laminat) mit der Heizung kompatibel ist und keine Isolierung dazwischen verhindert, dass die Wärme kommt.
Wenn einer fehlt, entsteht eine Lücke. Und diese Lücke wird später mit Bohrmaschinen, Schraubenziehern und Geld gefüllt.

Fünf Gewerke diskutieren eine 3D-BIM-Planung, während Heizung und Elektro sich widersprechen.

Was passiert, wenn Sie nichts planen?

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Haus aus den 1950er Jahren in Graz wurde saniert. Der Heizungsbauer legte die Fußbodenheizung so, wie er es kannte - mit einem Verlegeabstand von 15 cm. Der Elektriker hatte die Kabelkanäle für die neue Beleuchtung und die Steuerung der Rollläden bereits im Boden geplant - und verlegte sie 12 cm unter der Oberkante der Decke. Der Estrichleger goss 8 cm Estrich drauf - ohne zu wissen, dass die Kabelkanäle genau dort lagen, wo die Heizrohre verlaufen sollten.

Ergebnis: Nach drei Tagen Arbeit musste der Estrich wieder aufgebrochen werden. Die Kabel wurden beschädigt. Die Heizrohre mussten neu verlegt werden. Die Kosten: 14.000 Euro mehr als geplant. Die Verzögerung: 21 Tage.

Das ist kein Einzelfall. Eine Studie der Hochschule München aus 2023 zeigt: In 68 Prozent der Bestandssanierungen führen unkoordinierte Gewerke zu Planungsfehlern. Die meisten davon sind vermeidbar - wenn man früh genug spricht.

Wie Sie die Schnittstellenplanung richtig machen

Es gibt keinen magischen Plan. Aber es gibt einen klaren Prozess. Hier ist, wie es funktioniert:

  1. Bestandsaufnahme mit 3D-Scan: Nutzen Sie einen Laserscanner, um die tatsächliche Lage von Wänden, Decken, Rohren und Kabeln zu erfassen. Keine alten Pläne. Keine Schätzungen. Nur echte Daten.
  2. Erstes Koordinationsgespräch: Alle Beteiligten sitzen zusammen - Architekt, Heizung, Elektro, Estrich, Boden. Jeder bringt seine Pläne mit. Keiner darf gehen, bevor alle Fragen beantwortet sind.
  3. Erstellen eines Schnittstellenkatalogs: Nutzen Sie den Muster-Schnittstellenkatalog der Architektenkammer Bayern als Vorlage. Tragen Sie alle kritischen Punkte ein: Wo verläuft was? Wie dick ist der Estrich? Wo sind die Fugen? Wo dürfen keine Kabel sein?
  4. 3D-Planung mit BIM: Selbst wenn Sie kein Profi sind - nutzen Sie einfache BIM-Tools wie Allplan oder Archicad. Sie zeigen, ob ein Rohr und ein Kabel sich kreuzen - bevor der Bohrer anläuft.
  5. Unterzeichnen und dokumentieren: Jeder Beteiligte unterschreibt die Koordinationspläne. Kein „ich dachte, das wäre klar“. Kein „das steht doch im Plan“. Nur schriftlich, datiert, unterschrieben.
Das kostet Zeit. Aber es spart mehr Zeit, als es nimmt.

Was Sie über Flächenheizung und Wärmepumpe wissen müssen

Wenn Sie in einem Altbau eine Flächenheizung einbauen, dann meistens mit einer Wärmepumpe. Das ist gut. Aber es bringt neue Herausforderungen.

Die Vorlauftemperatur ist entscheidend. Eine Wärmepumpe arbeitet effizient bei 30-35 °C. Das ist viel kälter als bei alten Heizkörpern mit 70 °C. Deshalb brauchen Sie eine große Heizfläche - also eine Flächenheizung. Aber: Je kälter die Vorlauftemperatur, desto mehr Rohrfläche brauchen Sie. Und das bedeutet: mehr Rohre. Mehr Rohre bedeuten: mehr Platz im Estrich. Und mehr Platz im Estrich bedeutet: höhere Deckenaufbauhöhe.

Ein Beispiel: Bei einer alten Holzbalkendecke mit 12 cm Dicke müssen Sie mit 8-10 cm Estrich rechnen. Dazu kommen 2 cm Dämmung, 2 cm Rohre, 1 cm Belag. Das sind 23 cm - und das ist oft mehr, als der Raum hergibt. Dann müssen Sie die Fußbodenhöhe anpassen. Und das bedeutet: neue Türen, neue Treppenstufen, neue Fensterbänke. Alles neu.

Die neue Version des Merkblatts FBH-M2 aus März 2024 enthält spezifische Hinweise für Wärmepumpen im Bestand. Lesen Sie sie. Und lassen Sie sich von Ihrem Heizungsplaner erklären, wie die hydraulische Berechnung aussieht - nicht nur für die Wärmepumpe, sondern für die gesamte Anlage.

Linker Teil: perfekt koordinierte Gebäudeschichten. Rechter Teil: chaotische Kollisionen — Hand der Planung korrigiert den Fehler.

Was die Industrie tut - und was nicht

Die gute Nachricht: Die Digitalisierung schreitet voran. 42 Prozent der Planungsbüros nutzen heute BIM für Bestandsprojekte - das war 2020 noch 18 Prozent. Die ift-Studie sagt: Der Bedarf wächst jährlich um 15 Prozent bis 2027.

Die schlechte Nachricht: Nur 38 Prozent der Heizungsbauer fühlen sich sicher, wenn es um die Koordination mit Elektro- und Sanitärplanern geht. Das ist kein technisches Problem. Das ist ein Bildungsproblem. Die ZVSHK sagt: Es braucht mindestens 120 Stunden Schulung, um Schnittstellenplanung im Bestand richtig zu können. Die meisten Handwerker lernen das im Betrieb - und oft zu spät.

Die Lösung? Suchen Sie sich einen Planer, der speziell auf Schnittstellenkoordination spezialisiert ist. Nicht irgendeinen Installateur. Sondern jemanden, der weiß, wie man mit alten Gebäuden umgeht. Wer das kann, ist rar - aber nicht unmöglich zu finden.

Wie viel kostet die Schnittstellenplanung?

Ein häufiger Irrtum: „Das ist ein Extra, das ich mir sparen kann.“

Falsch. Die Schnittstellenplanung ist kein Extra. Sie ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Sanierung. Und sie kostet nicht viel - im Vergleich zu den Folgekosten.

Ein professioneller Schnittstellenkatalog für ein Einfamilienhaus kostet zwischen 1.500 und 3.000 Euro - inklusive Koordinationsgespräch und 3D-Planung. Das ist weniger als 2 Prozent der Gesamtkosten einer Sanierung. Und es verhindert Schäden im fünf- oder sechsstelligen Bereich.

Ein Heizungsbauer aus Salzburg hat 2024 einen Erfolgsfall dokumentiert: Durch frühzeitige Koordination wurden die Gesamtkosten um 18.500 Euro gesenkt - und die Bauzeit um 23 Prozent verkürzt. Das ist kein Zufall. Das ist Planung.

Was Sie jetzt tun sollten

Sie planen eine Sanierung? Dann machen Sie jetzt drei Dinge:

  1. Suchen Sie sich einen Planer, der Schnittstellenkoordination im Bestand kennt. Nicht irgendeinen. Sondern jemanden, der schon mehr als fünf Altbau-Projekte mit Flächenheizung und Wärmepumpe gemacht hat.
  2. Verlangen Sie einen 3D-Scan des Gebäudes. Keine alten Pläne. Keine Skizzen. Echte Daten.
  3. Setzen Sie ein Koordinationsgespräch an - mit allen Gewerken - bevor der erste Bohrer anläuft.
Es ist nicht sexy. Es ist nicht schnell. Aber es ist das Einzige, was verhindert, dass Ihre Sanierung zur teuren Fehlinvestition wird.

Die Technik ist da. Die Regeln sind da. Die Tools sind da. Was fehlt, ist nur noch: der Mut, vorher zu reden.

Warum ist Schnittstellenplanung im Bestand so wichtig?

Weil alte Gebäude oft keine aktuellen Pläne haben und die Gewerke sich unabsichtlich in die Quere kommen. Ohne Koordination entstehen teure Baufehler, Verzögerungen und Schäden an der Bausubstanz. Laut ZVSHK sind 70 % aller Probleme bei Flächenheizungen im Bestand auf fehlende Schnittstellenplanung zurückzuführen.

Welche Gewerke müssen bei der Schnittstellenplanung dabei sein?

Mindestens fünf: Architekt oder Sanierungsplaner, Heizungs- und Sanitärinstallateur, Elektrofachkraft, Estrichleger und Bodenleger. Jedes Gewerk bringt andere Anforderungen mit - und nur gemeinsam kann sichergestellt werden, dass alles passt.

Kann ich die Schnittstellenplanung selbst machen?

Nein, nicht wenn Sie kein Fachmann sind. Die Planung erfordert Kenntnisse in Heizungstechnik, Elektroinstallation, Estrichbau und Bauphysik. Auch die geltenden Normen wie DIN 18560-2 oder die Merkblätter FBH-M1/M2 müssen verstanden werden. Es ist eine Fachaufgabe - und die sollte ein Spezialist übernehmen.

Wie viel kostet eine professionelle Schnittstellenplanung?

Für ein Einfamilienhaus liegen die Kosten zwischen 1.500 und 3.000 Euro - inklusive Koordinationsgespräch und 3D-Planung. Das ist weniger als 2 % der Gesamtsanierungskosten, aber es verhindert Schäden im fünf- oder sechsstelligen Bereich.

Was ist BIM und warum ist es wichtig?

BIM steht für Building Information Modeling. Es ist eine digitale 3D-Planung, bei der alle Gewerke in einer gemeinsamen Software arbeiten. So sehen Sie sofort, ob ein Heizrohr und ein Elektrokabel sich kreuzen - bevor der Estrich gegossen wird. BIM reduziert Planungsfehler um bis zu 80 % - besonders im Bestand.

Gibt es Richtlinien für die Schnittstellenplanung im Bestand?

Ja. Der Bundesverband Flächenheizungen hat 2024 die Arbeitshilfe „Schnittstellenkoordination bei Flächenheizungs- und Flächenkühlungssystemen in bestehenden Gebäuden“ veröffentlicht. Außerdem gibt es den Muster-Schnittstellenkatalog der Architektenkammer Bayern und die Merkblätter FBH-M1 und FBH-M2. Diese Dokumente sind die Basis für jede professionelle Planung.

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Felicitas Call

Felicitas Call

Ich bin Tischlerin in Graz und spezialisiere mich auf maßgefertigte Innenausbauten. Ich plane und fertige Möbel sowie Einbauten für Altbau- und Neubauprojekte. In meiner Freizeit schreibe ich Fachbeiträge zu Immobilientrends, Sanierung und nachhaltigen Materialien. Ich verbinde Handwerk, Design und Praxiswissen für Wohn- und Gewerbeobjekte.

Kommentare (1)

wave
  • Angela F

    Angela F

    Jan 29, 2026 AT 13:35

    Ich hab letztes Jahr genau das erlebt 😅 Egal wie gut du planst – wenn der Elektriker nicht mit dem Heizungsbauer spricht, wird’s teuer. Hab jetzt einen festen Koordinator, der alle Gewerke zusammenführt. Totaler Gamechanger! 🙌

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