Wenn du in Graz lebst und schon mal überlegt hast, wie du deine Wassereinkäufe reduzieren kannst, dann weißt du: Trinkwasser ist nicht mehr das, was es früher war. Die Kosten steigen, die Niederschläge werden unregelmäßiger, und die Kanalisation läuft Gefahr, bei Starkregen überlastet zu werden. Eine einfache Lösung liegt direkt über deinem Dach: Regenwasser. Es ist nicht nur umweltfreundlich, sondern kann dir auch Geld sparen - vorausgesetzt, du weißt, wie das System funktioniert, was es kostet und wie lange du warten musst, bis es sich lohnt.
Was genau ist eine Regenwassernutzungsanlage?
Regenwassernutzung bedeutet nicht, dass du Regenwasser trinkst. Das ist nicht nur unpraktisch, sondern auch gesetzlich verboten. Stattdessen sammelst du das Wasser vom Dach, filterst es und nutzt es für Aufgaben, bei denen Trinkwasser nicht nötig ist: Toilettenspülung, Waschmaschine, Gartenbewässerung - und manchmal sogar für die Waschmaschine, wenn du hartes Wasser hast. Die Technik ist einfach: Regenwasser fließt von der Dachrinne in einen Tank, wird gefiltert, gespeichert und mit einer Pumpe zu den Verbrauchern geleitet. Wenn der Tank leer ist, schaltet sich automatisch das Trinkwasser dazu. Das nennt man Nachspeisung.
Die meisten Systeme in Österreich und Deutschland entsprechen der DIN 1989. Das ist die Norm, die sagt, wie du die Anlage bauen und warten musst. Sie schreibt vor, dass der Tank lichtundurchlässig sein muss, damit sich keine Algen bilden. Außerdem muss er mindestens 80 cm unter der Erde liegen, wenn er unterirdisch installiert wird. Das ist nicht nur für die Stabilität wichtig, sondern auch für die Temperatur. Kälteres Wasser bedeutet weniger Bakterienwachstum.
Welche Systeme gibt es?
Nicht jede Zisterne ist gleich. Es gibt drei Haupttypen: Kunststoff, Beton und modular aufgebaute Systeme. Die meisten Haushalte in Österreich entscheiden sich heute für Kunststoff - genauer gesagt, Polyethylen. Warum? Weil es leicht, preiswert und einfach zu installieren ist. Ein 2.000-Liter-Tank aus Kunststoff kostet ab 1.250 Euro. Ein 5.000-Liter-Tank für ein durchschnittliches Einfamilienhaus liegt zwischen 2.000 und 3.500 Euro. Betonzisternen sind stabiler und halten länger, aber sie kosten mindestens 2.900 Euro für 9.000 Liter und erfordern einen Kran zur Installation. Sie eignen sich eher für Neubauten, wo der Boden schon vorbereitet ist.
Die Marktführer in Österreich sind GRAF, ACO und Rewatec. GRAF hat mit dem RainCUBE System einen großen Anteil des Marktes - vor allem weil es so einfach zu montieren ist. ACO bietet mit dem Rain4me Professional eine App-gesteuerte Lösung an, die dir zeigt, wie voll dein Tank ist, und dir sagt, wann du Wasser brauchst. Rewatec hat sich auf die Kombination aus günstiger Technik und hoher Zuverlässigkeit spezialisiert. Diese Systeme sind alle so konzipiert, dass du sie in einem Tag installieren kannst - wenn du dich an die Anleitung hältst.
Kosten: Was kostet eine komplette Anlage?
Die Kosten setzen sich aus drei Teilen zusammen: Tank, Technik und Installation. Ein einfacher Gartentank für die Bewässerung kostet ab 1.250 Euro. Das ist gut, wenn du nur den Rasen gießen willst. Aber wenn du auch Toilettenspülung und Waschmaschine mit Regenwasser betreiben willst, brauchst du ein vollständiges Haus-System. Das beinhaltet:
- Regenwassertank (3.000-8.900 Liter für einen Vier-Personen-Haushalt)
- Filter- und Entlastungssystem (für Blätter und Schmutz)
- Hauswasserwerk mit Pumpe und Trinkwassernachspeisung
- Siphon mit beruhigtem Zulauf (verhindert, dass das Wasser zu schnell in den Tank fließt)
- Alle Rohre, Armaturen und Steuerungstechnik
Ein solches Komplettsystem kostet zwischen 2.700 und 5.000 Euro. Das klingt viel, aber du bekommst damit mehr als nur Wasser. Du bekommst eine langfristige Investition. Denn: Regenwasseranlagen halten über 50 Jahre. Die meisten Hersteller geben 20 Jahre Garantie auf den Tank.
Wenn du die Installation selbst machst, sparst du bis zu 40 Prozent. Eine Fachfirma verlangt für Kunststoffzisternen etwa 1.000 Euro, für Beton bis zu 2.500 Euro. Aber: Selbst montieren ist nur sinnvoll, wenn du Erfahrung mit Rohrverlegung hast. Ein falscher Anschluss kann zu Schäden an deiner Hausinstallation führen - und das ist teurer als die Fachfirma.
Wie viel Geld sparst du wirklich?
Die Einsparung ist nicht nur bei deinem Wasserzähler zu sehen, sondern auch bei deiner Abwassergebühr. In vielen Gemeinden, besonders in Österreich, werden Trinkwasser und Abwasser getrennt berechnet. Wenn du weniger Trinkwasser verbrauchst, zahlst du weniger für die Kanalisation. Das ist ein doppelter Vorteil.
Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt in Graz verbraucht etwa 120 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr. Davon können bis zu 40 Kubikmeter durch Regenwasser ersetzt werden - das sind 33 Prozent. Bei einem Preis von 1,75 Euro pro Kubikmeter Trinkwasser ergibt das eine Einsparung von 70 Euro. Dazu kommen die Abwassergebühren: Wenn du 40 Kubikmeter weniger Abwasser erzeugst, sparst du noch mal etwa 60-80 Euro. Insgesamt: 130-150 Euro pro Jahr.
Ein Nutzer aus Graz, der seit zwei Jahren sein System nutzt, berichtet: „Wir sparen 180 Euro im Jahr. Die Waschmaschine läuft ohne Kalk, und wir brauchen nur noch halb so viel Waschmittel.“ Das ist kein Einzelfall. Kalkfreies Wasser verlängert die Lebensdauer deiner Geräte. Die Waschmaschine, die Kaffeemaschine, der Boiler - sie alle arbeiten effizienter, wenn sie nicht verkalken.
Rechnest du die Anschaffungskosten von 3.500 Euro gegen eine jährliche Einsparung von 150 Euro, dann brauchst du knapp 23 Jahre, um die Kosten wieder hereinzuholen. Klingt lang? Aber: Die Anlage hält 50 Jahre. Nach 23 Jahren hast du also 27 Jahre lang kostenloses Wasser. Und die Kosten für Trinkwasser steigen jedes Jahr um etwa 2,8 Prozent. Das bedeutet: In zehn Jahren wirst du vielleicht 200 Euro sparen, nicht 150.
Wann lohnt sich die Investition?
Es ist kein schneller Gewinn. Wenn du nur auf die Amortisation schaust, ist Regenwassernutzung nicht die beste Investition. Aber wenn du auf Langfristigkeit, Umwelt und Komfort achtest, dann ist es eine der sinnvollsten Entscheidungen, die du an deinem Haus treffen kannst.
Die besten Kandidaten für eine Regenwassernutzung sind:
- Neubauten: Hier ist die Installation am einfachsten und günstigsten.
- Häuser mit großem Dach: Je größer das Dach, desto mehr Wasser kannst du sammeln. Ein 100 m² Dach liefert bis zu 60 m³ pro Jahr.
- Regionen mit hohen Wassergebühren: In Brandenburg, Sachsen-Anhalt oder auch in Teilen von Steiermark sind die Gebühren höher - dort lohnt sich die Anlage schneller.
- Häuser mit Waschmaschine und Toilettenspülung: Je mehr Wasser du verbrauchst, desto mehr sparst du.
Wenn du in einem Bestandsbau lebst und die Rohre neu verlegen musst, dann kann die Nachrüstung auf 6.000 Euro oder mehr kommen. Dann lohnt es sich nur, wenn du zusätzlich Förderung bekommst.
Förderung und staatliche Unterstützung
In Österreich gibt es keine bundesweite Förderung für Regenwasseranlagen - aber viele Gemeinden bieten sie. In Graz gibt es seit 2022 eine Förderung von bis zu 1.000 Euro für Einfamilienhäuser, wenn die Anlage mindestens 3.000 Liter fasst und die Toilettenspülung angeschlossen ist. In Linz, Salzburg und Innsbruck ist es ähnlich. In Städten mit über 50.000 Einwohnern existieren Förderprogramme in 63 Prozent der Fälle. Frag einfach beim Magistrat oder beim Umweltamt nach. Manchmal wird die Förderung auch als Zuschuss zur Abwassergebühr gewährt.
Wartung: Was musst du tun?
Regenwassersysteme sind nicht wartungsfrei, aber sie sind auch nicht aufwendig. Jedes Jahr solltest du die Vorrangkammer reinigen - das ist der erste Filter, der Grobverschmutzung abfängt. Das dauert eine Stunde und kostet, wenn du es selbst machst, nichts. Wenn du einen Handwerker rufst, sind es etwa 100-120 Euro. Alle sechs Monate prüfst du die Feinfilter. Alle fünf Jahre solltest du den Tank gründlich reinigen. Das kostet 80-150 Euro, je nach Größe.
Ein Nutzer auf einem Forum schrieb: „Die jährliche Reinigung ist aufwendiger als erwartet.“ Aber das liegt oft an schlecht installierten Systemen. Wenn die Vorrangkammer leicht zugänglich ist, ist es ein Kinderspiel. Moderne Systeme haben sogar Reinigungsöffnungen mit Schnellverschluss - kein Werkzeug nötig.
Die Zukunft: Smarte Systeme und digitale Hilfe
Seit 2023 gibt es intelligente Regenwassersysteme. GRAF’s RainCUBE Smart misst den Füllstand, verbindet sich mit Wetterdaten und entleert den Tank automatisch, bevor ein Starkregen kommt. ACO’s Rain4me Professional zeigt dir auf deinem Handy, wann du Wasser brauchst, und schaltet die Nachspeisung nur ein, wenn es wirklich nötig ist. Diese Systeme sind noch teurer - ab 4.500 Euro - aber sie optimieren die Nutzung. Bis 2025 werden 45 Prozent der neuen Anlagen digital sein. Das bedeutet: Du kannst deine Wassernutzung genau kontrollieren, ohne eine einzige Stunde zu verbringen.
Was ist der größte Irrtum?
Viele denken: „Ich kaufe eine Zisterne, und schon sparen wir 500 Euro im Jahr.“ Das ist falsch. Die Einsparung ist real, aber bescheiden. Der echte Wert liegt nicht im Geld, sondern in der Unabhängigkeit. Du bist weniger abhängig von steigenden Gebühren. Du trägst dazu bei, dass weniger Wasser aus dem Grundwasser gezogen wird. Und du reduzierst die Belastung der Kanalisation - besonders wichtig in Zeiten von Starkregen und Klimawandel.
Wenn du dich für Regenwasser entscheidest, dann nicht, weil du sofort Geld sparen willst. Sondern, weil du langfristig denkst. Weil du dein Haus nicht nur als Wohnraum, sondern als Teil eines Kreislaufs siehst. Weil du weißt: Jeder Kubikmeter Regenwasser, den du nutzt, ist ein Kubikmeter Trinkwasser, das anderen bleibt.
Kann ich Regenwasser zum Duschen nutzen?
Nein. Regenwasser ist nicht trinkwassertauglich und darf laut österreichischem Gesetz nicht für Duschen, Waschbecken oder Kochen verwendet werden. Es ist nur für nicht-trinkwasserpflichtige Anwendungen wie Toilettenspülung, Waschmaschine und Gartenbewässerung zugelassen. Die Nutzung zum Duschen ist gesetzlich verboten und kann zu Strafen führen.
Wie groß muss meine Zisterne sein?
Für einen Vier-Personen-Haushalt empfehlen Experten 3.000 bis 8.900 Liter. Als Faustregel: 0,5 bis 1 Kubikmeter pro 100 Quadratmeter Dachfläche. Ein 120 m² Dach braucht also mindestens 600 Liter, besser 1.200 Liter. Aber: Wenn du nur den Garten bewässern willst, reicht ein kleinerer Tank. Wenn du auch Toilettenspülung nutzen willst, solltest du mindestens 4.000 Liter haben, um auch trockene Sommer zu überstehen.
Lohnt sich Regenwasser in einem Mietshaus?
In der Regel nicht. Die Anlage gehört dem Hausbesitzer, und die Einsparungen fließen in den Hausverbrauch. Du als Mieter hast keinen direkten Nutzen und kannst die Anlage nicht einbauen. Ausnahmen: Wenn du ein ganzes Haus mietest und mit dem Vermieter eine Vereinbarung triffst. Dann kann es sinnvoll sein - aber nur, wenn du die Kosten und Wartung übernimmst.
Wie lange hält eine Regenwasseranlage?
Ein moderner Kunststofftank hält mindestens 50 Jahre, oft länger. Die Pumpen und Filter müssen alle 10-15 Jahre ausgetauscht werden, das kostet etwa 300-600 Euro. Die gesamte Anlage ist also eine Investition für dein Leben. Im Vergleich zu einem neuen Warmwasserboiler (Lebensdauer 15 Jahre) ist die Regenwasseranlage deutlich langlebiger.
Kann ich Regenwasser mit Solar kombinieren?
Ja, aber nicht direkt. Du kannst das Regenwassersystem nicht mit Solarthermie verbinden, um es zu erwärmen - das ist technisch nicht sinnvoll. Aber du kannst die Pumpe mit einer Solarstromanlage betreiben. Das macht die Anlage noch energieeffizienter. Einige Systeme von ACO und Rewatec bieten schon integrierte Solarpumpen an.