Stellen Sie sich vor, Ihre Fassade ist schmutzig, voller Algen und Moos - aber ein Gerüst wäre teuer, lärmig und stört die Nachbarn. Was tun? Die Antwort lautet: Fassadenreinigung ohne Gerüst. Seit einigen Jahren setzen immer mehr Hausbesitzer, Immobilienverwalter und Kommunen auf moderne Teleskopsysteme, um Fassaden sauber zu bekommen - ohne Gerüst, ohne Stress, ohne Monate Wartezeit. Und das nicht nur, weil es günstiger ist. Sondern weil es sicherer, schneller und umweltfreundlicher funktioniert.
Wie funktioniert eine Fassadenreinigung ohne Gerüst?
Statt ein riesiges Metallgerüst aufzubauen, das das ganze Haus umgibt, nutzt man heute Teleskoplanzen. Das sind lange, ausziehbare Stangen aus Carbon oder Glasfaser, die von einem Fahrzeug oder einem stabilen Standort aus bedient werden. Der Reiniger bleibt am Boden, steuert die Lanzenspitze per Fernbedienung und reinigt die Fassade mit Niederdruckwasser - meist unter 50 Bar. Das ist kein Hochdruckstrahler, der Putz abträgt. Das ist eine sanfte, gezielte Reinigung, die selbst bei WDVS-Fassaden (Wärmedämmverbundsystemen) keine Schäden verursacht.Die Länge der Teleskopleitern reicht von 6 bis 18 Metern. Das bedeutet: Für die meisten Einfamilienhäuser, kleinere Mehrfamilienhäuser oder Schulgebäude reicht das völlig aus. Die Anlage wird auf einer ebenen Fläche von mindestens 20 Quadratmetern aufgestellt. Um das Gebäude herum braucht es mindestens 1,5 Meter Freiraum, damit die Lanzenspitze frei bewegt werden kann. Kein Gerüst, kein Kräne, kein Lärm - nur ein kleiner Anhänger mit Wasser, Reinigungsmittel und einem Filtersystem.
Warum ist das sicherer als ein Gerüst?
Die größte Gefahr bei Fassadenreinigung ist nicht der Schmutz - sondern der Sturz. Traditionell arbeiten Reiniger auf Gerüsten, oft ohne ausreichende Sicherung. Das ist gefährlich. Teleskopsysteme ändern das komplett. Der Arbeiter steht auf dem Boden. Er hat festen Halt. Er ist nicht in der Luft. Die BG Bau, die Berufsgenossenschaft für Bauwirtschaft, fördert diese Methode seit 2023 explizit als fallrisikomindernd. Seit Januar 2023 verlangt die DGUV Regel 101-002 sogar, dass alle Arbeiten über vier Metern Höhe mit Teleskoplanzen erfolgen, die ein integriertes Sturzsicherungssystem haben. Das hat die Unfallrate in der Branche um 35 % gesenkt.Und es ist nicht nur die physische Sicherheit. Auch die Ergonomie ist besser. Der Arbeiter muss nicht stundenlang in unbequemen Positionen arbeiten. Die Teleskopstange ist leicht, ausbalanciert und lässt sich mit einer Hand bedienen. Das reduziert Rückenbelastung und Ermüdung. Einige Systeme wie das RBS T9.8 Pro haben sogar eine automatische Ausrichtung, die die Lanzenspitze selbstständig in die richtige Position bringt. Kein mühsames Hantieren. Kein Zittern. Kein Risiko.
Wie viel kostet das?
Ein Gerüst kostet zwischen 150 und 300 Euro pro Tag - und das nur für die Miete. Dazu kommen Transport, Aufbau, Abbau, Genehmigungen und eventuell Schadensersatz, wenn etwas beschädigt wird. Eine Fassadenreinigung mit Gerüst dauert oft drei bis fünf Tage. Mit Teleskopsystemen schafft man das gleiche in acht bis zwölf Stunden - oft sogar innerhalb eines Werktages.Laut Trodatec (2022) ist die gerüstlose Methode bis zu 40 % günstiger. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus spart man 800 bis 1.200 Euro. Das ist kein kleiner Betrag. Und es gibt keine versteckten Kosten. Keine Gerüstmiete. Keine Baustellenabsperrung. Keine Anwohnerentschädigungen. Die Preise für die Reinigung selbst liegen zwischen 8 und 15 Euro pro Quadratmeter - je nach Schmutzgrad und Fassadenmaterial.
Wichtig: Diese Preise gelten nur für professionelle Dienstleister. Wer selbst versucht, eine Teleskoplanze zu mieten und zu bedienen, läuft Gefahr, die Fassade zu beschädigen oder sich zu verletzen. Die Systeme sind nicht für Laien gedacht. Die IHK schreibt, dass eine ordentliche Schulung mindestens 40 Stunden dauert. Nur so wird sichergestellt, dass der richtige Druck, das richtige Reinigungsmittel und die richtige Technik verwendet werden.
Was ist mit der Umwelt?
Traditionelle Reinigungen spülen Schmutz, Algen und Chemikalien einfach in die Kanalisation. Das ist nicht nur schädlich für Flüsse und Gewässer - es ist auch illegal, wenn keine Genehmigung vorliegt. Moderne Teleskopsysteme haben eine integrierte Wasseraufbereitung. Das Schmutzwasser wird aufgefangen, durch Filter geleitet und bis zu 90 % wiederverwendet. Herbol und Hermes Fassadenreinigung bieten Systeme an, die 95 % des Wassers recyceln - ein Wert, der bis 2024 noch steigen soll.Die Reinigungsmittel sind säurefrei, biologisch abbaubar und speziell für WDVS-Fassaden entwickelt. Keine Lösungsmittel. Keine aggressive Chemie. Keine Schäden an Putz oder Dämmung. Das ist besonders wichtig für historische Gebäude oder kommunale Immobilien. Laut Kommunalverband (2023) ist das für 92 % aller öffentlichen Auftraggeber ein entscheidendes Kriterium bei der Vergabe.
Wann funktioniert es nicht?
Diese Methode ist nicht für jedes Haus geeignet. Sie hat Grenzen. Zum Beispiel: Wenn die Fassade höher als 18 Meter ist, braucht man andere Lösungen - wie Seilzugang oder Hubarbeitsbühnen. Auch bei stark verwinkelten Fassaden mit vielen Vorsprüngen, Erkern oder Balkonen ist die Reichweite der Teleskoplanze begrenzt. Hier arbeiten Experten oft mit Kombinationen: Teleskop für die flachen Flächen, Seilzugang für die Nischen.Ein weiterer Haken: Die Anlage braucht Platz. Kein Gerüst, aber ein Anhänger mit Wasserbehälter, Pumpen und Filtern - das braucht mindestens 20 Quadratmeter ebene Fläche. Und der Zugang muss frei sein. In engen Innenhöfen oder dicht bebauten Straßen kann das schwierig sein. In 62 % der deutschen Städte braucht man zudem eine Genehmigung, wenn die Hubarbeitsbühne über 10 Meter Höhe kommt. Das kann die Planung verzögern.
Und: Wer die Technik falsch bedient, kann trotzdem Schäden verursachen. Prof. Klaus Schmidt von der TU München warnt: „Ein Druck über 80 Bar - auch bei Teleskopsystemen - kann Putz ablösen oder Fugen beschädigen.“ Deshalb ist es entscheidend, einen Fachmann zu beauftragen. Nicht jeder, der eine Teleskoplanze mietet, kann sie auch richtig einsetzen.
Was sagen Nutzer?
Auf Trustpilot haben gerüstlose Fassadenreiniger durchschnittlich 4,7 von 5 Sternen. Die häufigsten Lobeshymnen: „Keine Störung des Schulbetriebs“, „Kein Lärm, kein Dreck auf dem Hof“, „Alles war sauber, ohne Spuren“. Einige negative Bewertungen beklagen, dass schwer erreichbare Ecken nicht vollständig gereinigt wurden - besonders bei alten, verzierten Fassaden. Das stimmt. Bei stark strukturierten Fassaden mit Ornamenten oder Steinen bevorzugen 65 % der Experten nach wie vor den Seilzugang. Aber bei glatten, modernen Fassaden - und das sind die meisten Neubauten - funktioniert die Teleskopreinigung zu 89 % perfekt.Die Zukunft der Fassadenreinigung
Die Technik wird smarter. Trodatec testet seit Herbst 2023 ein KI-gestütztes System, das mit Kameras den Schmutz erkennt und automatisch die Reinigungsintensität anpasst. Wo ist der stärkste Belag? Wo ist die Fassade besonders empfindlich? Die Kamera sagt es - und das System reagiert. Das spart Zeit, Wasser und Reinigungsmittel.Die Deutsche Gesellschaft für Fassadentechnik (DGF) prognostiziert: Bis 2030 wird die gerüstlose Fassadenreinigung 78 % des Marktes ausmachen. Heute sind es schon 45 %. Der Grund? Gerüste werden teurer, Umweltvorschriften strenger, und die Nachfrage nach minimalinvasiven Sanierungen steigt. Besonders in Städten wie Graz, Wien oder München, wo Platz knapp ist und Anwohner sensibel auf Lärm reagieren, ist diese Methode die Zukunft.
Und die Wirtschaft sagt: 72 % des Marktes werden von kleinen und mittleren Unternehmen beherrscht. Das heißt: Es gibt viele Anbieter, die konkurrenzfähig und flexibel sind. Sie arbeiten lokal, kennen die Gebäude und bieten individuelle Lösungen an. Kein Großkonzern mit Standardpreisen. Sondern Fachleute, die vor Ort schauen, beraten und dann handeln.
Was müssen Sie tun?
Wenn Sie eine Fassadenreinigung planen, machen Sie das nicht spontan. Gehen Sie wie ein Profi vor:- Prüfen Sie die Höhe Ihrer Fassade. Ist sie unter 18 Metern? Dann ist Teleskopreinigung möglich.
- Prüfen Sie den Zugang. Gibt es genug Platz für ein Fahrzeug und eine Anlage? Mindestens 20 Quadratmeter, 1,5 Meter Freiraum um das Gebäude.
- Identifizieren Sie den Schmutz. Ist es Moos? Algen? Luftverschmutzung? Das bestimmt das Reinigungsmittel.
- Bitten Sie mindestens zwei Fachbetriebe um ein Angebot. Fragen Sie nach den verwendeten Systemen, den Wasserrecyclingraten und den Zertifikaten.
- Prüfen Sie die Referenzen. Gibt es Bewertungen von Schulen, Altenheimen oder kommunalen Gebäuden? Das ist ein gutes Zeichen.
Die Fassadenreinigung ohne Gerüst ist kein Trend. Sie ist die neue Normalität. Schneller. Sauberer. Sicherer. Und umweltfreundlicher. Wer heute noch auf Gerüste setzt, zahlt nicht nur mehr - er nimmt auch unnötiges Risiko in Kauf. Die Technik ist da. Die Experten sind da. Die Zeit ist reif.